Hönningen an der Ahr Ortsgemeinde · Kreis Ahrweiler

Dorfgemeinschaft

Vereinsleben in Hönningen

Blasorchester, Fanfarencorps, Funkengarden, Feuerwehr und Kindergarten: Wer in einem Dorf mit rund 500 Einwohnern so viele aktive Gruppen hält, macht etwas richtig. Und arbeitet mehr, als von außen sichtbar ist.

Vereine, Musik und Feste: wie das Dorfleben in Hönningen funktioniert

Wer wissen will, wie es einem Dorf geht, muss nicht die Einwohnerstatistik lesen. Es reicht, an einem Dienstagabend am Vereinsheim vorbeizugehen und zu hören, ob geprobt wird. In Hönningen wird geprobt. Es wird geübt, geschleppt, geplant und diskutiert, meistens nach Feierabend, meistens unbezahlt, oft von denselben Leuten. Das ist der eigentliche Motor eines Ortes dieser Größe, und deshalb bekommt er hier eine eigene Seite.

Das Blasorchester Hönningen

Blasmusik hat im Ahrtal und in der Eifel eine lange Tradition, und sie ist mehr als Unterhaltung. Das Blasorchester spielt bei kirchlichen Anlässen, bei Prozessionen, bei Jubiläen, bei Beerdigungen und eben auch beim Dorffest. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Ort still wird, weil ein Choral gespielt wird, versteht, warum das nicht ersetzbar ist. Musikalisch reicht das Repertoire von traditionellen Märschen über Polka und Walzer bis zu modernen Arrangements, die vor allem die jüngeren Mitglieder einbringen. Geprobt wird regelmäßig, und wie überall gilt: Wer ein Instrument spielen kann oder lernen will, ist willkommen. Ein Einstieg ist auch als Erwachsener möglich, das wird nur selten geglaubt.

Für Nachwuchs zu sorgen, ist die Daueraufgabe. Klassisch läuft das über Bläserklassen, über den Kontakt zur Schule und über ältere Mitglieder, die Anfänger an die Hand nehmen. Instrumente werden häufig vom Verein gestellt, damit niemand an der Anschaffung scheitert. Ein Tenorhorn kostet neu schnell mehr als ein gebrauchtes Auto, das kann keine Familie nebenbei stemmen.

Das Fanfarencorps

Neben dem Blasorchester gibt es in Hönningen das Fanfarencorps. Klanglich ist das eine ganz andere Sache: Fanfaren, Naturtoninstrumente, Trommeln, ein markanter, heller Klang, der draußen funktioniert. Solche Corps sind im Rheinland eng mit dem Karneval und mit Festzügen verbunden, treten aber auch eigenständig auf. Beim Dorffest zur Einweihung der Ortsumgehung übernahm das Fanfarencorps am Sonntagnachmittag die musikalische Unterhaltung.

Karnevalsgesellschaft und Funkengarden

Karneval ist in dieser Region kein Kostümabend, sondern eine Organisationsleistung über Monate. Sitzungen wollen vorbereitet, Büttenreden geschrieben, Kulissen gebaut, Tänze einstudiert sein. Die Funkengarden trainieren dafür das ganze Jahr, und der Aufwand ist erheblich: Choreografie, Hebefiguren, Kondition, Kostüme. Was am Ende nach fünf Minuten Leichtigkeit aussieht, sind Dutzende Trainingsabende. Bei Auftritten außerhalb der Session, etwa beim Dorffest, merkt man, wie viel Publikum die Garden ziehen.

Die Karnevalsgesellschaft ist außerdem einer der wichtigsten sozialen Knotenpunkte im Ort. Hier treffen sich Generationen, die sonst wenig Berührung hätten. Ein Vierzehnjähriger baut mit einem Siebzigjährigen einen Wagen, und beide lernen etwas dabei. Solche Konstellationen entstehen im Dorf nicht automatisch, sie brauchen einen Anlass.

Freiwillige Feuerwehr und Jugendfeuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr ist der Verein, über den man am wenigsten spricht und ohne den am meisten fehlen würde. In einem Tal mit steilen Hängen, engen Straßen und einem Fluss, der schnell steigen kann, ist eine einsatzbereite Wehr keine Formsache. Die Einsätze reichen von Verkehrsunfällen über Sturmschäden und Ölspuren bis zu technischer Hilfeleistung. Und dann gibt es Tage wie den 14. und 15. Juli 2021, an denen Feuerwehrleute an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen.

Die Jugendfeuerwehr macht genau das, was ihr Name sagt, und mehr. Kinder und Jugendliche lernen dort Knoten, Gerätekunde, Erste Hilfe und den Umgang mit Verantwortung. Bei Dorffesten zeigen sie Vorführungen, was gleichzeitig Werbung und Ausbildung ist. Wer mit zwölf in die Jugendfeuerwehr eintritt, ist mit achtzehn eine ernsthafte Einsatzkraft. Ohne diese Nachwuchsarbeit wären viele kleine Wehren längst nicht mehr tagesalarmsicher.

Kindergarten Wibbelstetz

Der Kindergarten Wibbelstetz ist im Ort ein Begriff, und nicht nur wegen des Namens. Beim Spatenstich für die Umgehungsstraße im März 2001 waren es die Kinder von dort, die „Hurra, die Straße wird gebaut“ sangen. Solche Bilder bleiben. Für die Gemeinde ist eine wohnortnahe Betreuung außerdem ein harter Standortfaktor. Junge Familien schauen genau hin, ob sie ihr Kind im Ort unterbringen können oder jeden Morgen zwanzig Kilometer fahren müssen.

Wie ein Dorffest wirklich entsteht

Von außen sieht ein Dorffest nach Bierbank und Musik aus. Tatsächlich ist es Logistik. Es beginnt Wochen vorher mit der Frage, welcher Verein welchen Teil übernimmt: Aufbau, Ausschank, Küche, Programm, Absperrung, Abbau. Genehmigungen müssen eingeholt, Strom und Wasser organisiert, Toiletten gestellt, Versicherungen geklärt, Getränke kalkuliert werden. Bei der Feier zur Freigabe der Ortsumgehung im Mai 2003 lief das nach folgendem Ablauf:

Dorffest zur Einweihung der Ortsumgehung, Dorfplatz in der Ortsmitte
TagUhrzeitProgrammpunkt
Samstag, 24. Mai18:00 UhrFassanstich
Samstag, 24. Maiab 19:00 UhrBlasorchester Hönningen, Tanz der Funkengarden, Rundfahrten mit der EVM-Bahn
Sonntag, 25. Mai11:00 UhrFrühschoppen mit Jagdhornbläsern
Sonntag, 25. Maiab 14:00 UhrKaffee und Kuchen, Straßenmalerei, Basteln, Spielmobil, Vorführungen der Jugendfeuerwehr
Sonntag, 25. Mai15:00 UhrMusikalische Unterhaltung durch das Fanfarencorps Hönningen
Sonntag, 25. Mai18:00 UhrVerlosung

Der entscheidende Punkt steht nicht in der Tabelle. Er lautet: Wer baut ab? Aufbau finden viele noch spannend, beim Abbau am Montagmorgen wird die Luft dünn. Vereine, die sich vorher schriftlich auf Zuständigkeiten einigen, sparen sich hinterher Ärger. Genau deshalb gab es damals eine Übersicht, welcher Verein welchen Termin übernimmt.

Was Vereinen im Dorf gefährlich wird

Drei Dinge bringen kleine Vereine regelmäßig in Bedrängnis. Erstens die Ämterhäufung: Wenn dieselbe Person Kassiererin, Schriftführerin und Ansprechpartnerin für alles ist, hängt der Verein an einem einzigen Menschen. Fällt sie aus, steht alles. Zweitens der Verwaltungsaufwand. Datenschutz, Steuerrecht, Nachweise für Zuschüsse, Hygienevorschriften bei Festen – das ist für Ehrenamtliche ohne kaufmännische Ausbildung eine echte Hürde. Drittens die schleichende Erwartung, dass ohnehin immer dieselben anpacken. Wer nie gefragt wird, meldet sich irgendwann auch nicht mehr.

Gegen alle drei Punkte hilft dasselbe Mittel: früh ansprechen, Aufgaben klein schneiden und Verantwortung tatsächlich abgeben. Jemand, der nur den Getränkeeinkauf übernimmt, ist ein Gewinn. Wer stattdessen gleich einen Vorstandsposten angeboten bekommt, sagt in der Regel ab. Und wer neu im Ort ist, braucht eine Einladung, die über ein allgemeines „Kommen Sie doch mal vorbei“ hinausgeht.

Mitmachen in Hönningen

Interesse an einem Instrument, am Tanz, an der Feuerwehr oder einfach am Helfen bei Festen? Der einfachste Weg führt über das direkte Gespräch. Sprechen Sie Mitglieder an, kommen Sie zu einer Probe oder zu einem Übungsdienst, schauen Sie sich das an, bevor Sie sich entscheiden. Niemand muss sofort eintreten. Zuschauen ist ausdrücklich erlaubt, und die meisten Gruppen freuen sich schon darüber, dass jemand fragt.

Ein letzter Gedanke: Vereinsleben ist kein Selbstläufer und kein Erbstück. Es hält so lange, wie genug Leute bereit sind, Zeit hineinzustecken. In Hönningen war das über Jahrzehnte der Fall, durch gute Zeiten wie die Einweihung der Umgehungsstraße und durch harte Zeiten wie die Jahre nach der Flut. Wie es damit weitergeht, lesen Sie unter Dorferneuerung und Wiederaufbau. Und wenn Sie den Ort erst kennenlernen wollen, hilft vielleicht ein Spaziergang – Vorschläge gibt es unter Ahrtal und Wandern.